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Szenisches Verstehen und Kulturanalyse Juli 18, 2006

Posted by church-lippmann in Kulturanalyse, Szenisches Verstehen.
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Ich möchte hier eine Debatte über das szenische Verstehen anstoßen und zwar über das Verständnis des szenischen Verstehens, d.h. wie funktioniert dieser „Zauberschlüssel“ zu den unbewussten Inhalten des Psychischen und der Kulturgüter, und über das Verhältnis von szenischen Verstehen zur Dekonstruktion.Diese Fragestellungen scheinen mir so allgemein, dass ich als Diskussionsgrundlage, bzw. Anregung, ein Kapitel aus meiner Diplomarbeit vorschlage (das-szenische-verstehen-und-die-kulturanalytische-methode.pdf ). Dieses Kapitel bezieht sich zwar auf den Film als Kulturgut, ist aber so allgemein gehalten, dass es auf jedes kulturindustrielle Produkt beziehen lässt.

Die erste Frage, die sich mir stellt, ist wie sich in einer Art Mikroanalyse, die einzelnen Teilschritte des szenischen Verstehens vollziehen. Erfolgt nach der szenischen Teilhabe eine Distanzierung, sozusagen eine Triangulierung des Verstehens, oder findet gerade keine Distanzierung statt, sondern erfolgt eine topische Progression des Verarbeitungsniveaus bei gleich bleibender Identifizierung.

Die zweite Frage, die ich hier gerne diskutieren würde, ist das Verhältnis des szenischen Verstehens zur Dekonstruktion, resp. der Widerstandsanalyse. FREUD stellt in „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“ eine historische Abfolge in der Entwicklung der psychoanalytischen Deutung dar, diese verläuft von der Hypnose über das Erraten hin zur Widerstandsanalyse. Das Erraten als Modus der Deutung, verweist auf das Ziel eine Lücke in der Kette der Erinnerungen des Analysanten zu schließen, d.h. einen bewussten Inhalt an die Stelle des unbewussten Inhalts zu setzen. Die Widerstandsanalyse will hingegen die Verdrängung aufheben, was der Analysant im Folgenden als bewussten Inhalt synthetisiert ist ihm überlassen. Das Konzept des Szenischen Verstehens liegt zunächst quer zu der von FREUD dargelegten Abfolge. LORENZER betont, dass es sich nicht um ein Raten handelt, dass dann überprüft wird, sondern um einen Verstehensakt, der aus der szenischen Teilhabe erfolgt. Außerdem legt er dar, dass der Kulturanalysierende seinen eigenen Widerstand zu überwinden hat, um die unbewussten Inhalte zu versprachlichen. Zugleich zielt jedoch das szenische Verstehen – sowohl in der klinischen Praxis, als auch in der Kulturanalyse – darauf ab, die Lücke in der Erinnerungskette zu schließen. M.E. liegt hierin ein Unterschied zur Widerstandsanalyse, die in einer dekonstruierenden Bewegung, den von der Abwehr bestimmten symptomatischen Zusammenhang auflöst und damit die Lücke offen hält. Doch wie könnte eine kulturanalytische Forschungspraxis aussehen, die sich dieser dekonstruierenden Bewegung verpflichtet sieht? Bzw. wie würden deren Forschungsergebnis aussehen? Während das szenische Verstehen versucht einen unbewussten Inhalt festzustellen, müsste die Dekonstruktion versuchen aufzuweisen, wie Unbewusstes in der Rezeption des Kulturguts abgewehrt wird. Oder kann/muss diese negative Bewegung wieder in das Positive fallen, d.h. in der Formulierung des vom Bewusstsein ausgeschlossenen Wunsches? D.h. gleichen sich beide Methoden im Resultat?

Kommentare»

1. bundesligamanager - August 31, 2006

Nachfrage zur Frage 2
Auf welches Konzept der Dekonstruktion bzw. Abwehranalyse beziehst Du Dich? Auf Freud? Man müsste für eine mögliche Antwort zunächst einen scharfen Blick darauf werfen.

2. lippmann - August 31, 2006

Konkreter Anlass für die 2. Frage war eine erneute Lektüre von Freuds „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten“ – wie ich im Text ausgeführt habe. Ich beziehe mich auf den dort ausgeführten Begriff der Widerstandsanalyse.