Szenisches Verstehen II September 5, 2006
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Es folgt eine ausführliche Antwort auf “Szenisches Verstehen und Kulturanalyse” von Bundesligamanager, der z.Z. leider technische Probleme hat.
Im Nachfolgenden beziehe ich mich auf Lippmanns erste Frage („Wie sich in einer Art Mikroanalyse, die einzelnen Teilschritte des szenischen Verstehens vollziehen. Erfolgt nach der szenischen Teilhabe eine Distanzierung, sozusagen eine Triangulierung des Verstehens, oder findet gerade keine Distanzierung statt, sondern erfolgt eine topische Progression des Verarbeitungsniveaus bei gleich bleibender Identifizierung“).
Der rote Faden, an dem sich Lorenzer in seiner Arbeit über die psychoanalytische Methode entlang hangelt, ist die Frage: „Wie überwindet der Psychoanalytiker die Grenze zum Unbewussten?“
Die Antwort darauf ist das »Szenische Verstehen«. „Basis und Voraussetzung für den Prozeß des »szenischen Verstehens«“ ist „ein Sich-Einlassen des Analytikers auf den Patienten“(Lorenzer, 209; ich habe andere Seitenzahlen als Lippmann in seiner Diplomarbeit; meine Ausgabe: Suhrkamp 1973). Mit diesem „Sich-Einlassen“ ist die Teilhabe an den unbewussten Inszenierungen des Patienten gemeint. D.h.: der Analytiker identifiziert sich mit einer bzw. den Objektrepräsentanzen des Patienten und „verkostet“ (d.i. verspeisen und schmecken und oral) auf diese Weise die Inszenierung des Patienten. Unter Identifizierung ist hier ein unbewusster Prozess gemeint.
Wie nun ein solcher unbewusster Prozess mehr oder weniger intentional ins Rollen gebracht wird, d.h. wie das „Sich-Einlassen“ zur Technik des Analytikers wird, ist eine interessante Frage, wird hier jedoch außer Acht gelassen. Wichtig ist, dass der Analytiker unbewusst an der Inszenierung des Patienten teilhat. Allerdings mit notwendigen Einschränkungen: die Inszenierungen des Patienten sind durch das Sessel-Couch-Setting auf Sprache beschränkt, selbst das Kommunizieren über Gesten (zwinkern, Interpretation der Mimik, etc.) ist durch die Position des Analytikers hinter der Couch (fast gänzlich) unterbunden. (Kritik an Watzlawick spare ich mir). Der Analytiker ist durch die Grundregeln der psychoanalytischen Therapie darauf verwiesen, die Impulse, die ihn im Rahmen der unbewussten Inszenierung überkommen, nicht auszuagieren. (Ich führe das alles jetzt nicht im Detail aus).
Lorenzer ordnet Identifizierung und Verstehen einander zu. „Das szenische Verstehen wurzelt in der Identifizierung, es gründet darin, dass der Analytiker an der Szene des Patienten teilhat“(ebd., 213). Diese Prozesse lassen sich auch mit den Begriffen Übertragung (der unbewussten Szene durch den Patienten auf den Analytiker) und Gegenübertragung (als unbewusste Reaktion des Analytikers auf seine Teilhabe an der unbewussten Inszenierung des Patienten) fassen.
Was – so die Frage – passiert nach der szenischen Teilhabe?
Lorenzer stellt sich ebenfalls diese Frage („Streitpunkt“ ebd., 216). Insbesondere, weil seiner theoretischen Annahme nach der psychoanalytische Prozess gänzlich ein Verstehensprozess ist, der ohne erklärende Schritte abläuft. (Sicher gibt es in der Praxis Augenblicke, wo der Analytiker zu Erklärungen greift, dass hat mir jedenfalls mal ein ehrwürdiger Psychoanalytiker versichert, diese Erklärungen wären dann jedoch mit Lorenzer, als rationalisierte unbewusste Derivate zu verstehen, die aus dem Unbewussten des Analytikers auftauchen; als Reaktion auf die Teilhabe an der unbewussten Inszenierung des Patienten).
Der Analytiker beginnt nun, seine Gegenübertragung, die in ihm als unbewusster Objektanteil der Szene des Patienten (übers Vorbewusste?) in Richtung Bewusstsein aufsteigt, als solche zu erkennen, in Beziehung zur Erzählung (ubw Inszenierung) des Patienten zu setzen, das ganze der unbewussten Inszenierung zu verstehen und vorsichtig (Schritt für Schritt) mit der Versprachlichung der unbewussten Inszenierung zu beginnen.
„Das Heraufholen der Bedeutungen im Begreifen der Szene als »verstandene« Situation ist freilich ein Prozeß, der nicht automatisch abläuft. Das »Teilhaben an der Situation des Patienten« und »Verstehen der Situation« bahnt sich in der Psychoanalyse seinen Weg vielmehr Schritt für Schritt mit den Mitteln der Identifikation und der Verwandlung von Teilhabe, bloßem Einbezogen-Werden, in eine formulierte Teilnahme mit Bestimmung der Position von Analytiker und Analysand“(S.216).
Ich denke, dass das auch eine ziemlich gute (erste) Bestimmung der Deutung ist. (Wobei natürlich zu beachten ist, das die Versprachlichung der Szene unter Beachtung der logischen und psychologischen Verständigungen erfolgt).
Die Frage die sich nun stellt, ist, ob der Analytiker im Prozess der Versprachlichung (kurzzeitig) aus der Identifizierung heraustritt, oder aber durchgehend in ihr verbleibt.
Parin, Reik, Ferenci (?) und Greenson sind der Auffassung, dass es ein kurzzeitiges hin und her wechseln zwischen Identifizierung und Distanzierung gibt. Spitz und Lampl-de-Groot vertreten nach Lorenzer eine alternative Vorstellung. Wichtig ist jedoch, dass Lorenzer ein Heraustreten aus der Identifizierung und eine distanzierte Betrachtung des Patienten als „erklärenden Schritt“(S.218) ansieht. Wäre dem so, würde dies meiner Ansicht nach auch Auswirkungen auf das Moment der „Szenischen Evidenz“ haben.
Für Lampl und Spitz ist die Identifizierung eine „Regression im Dienste des Ichs“(ebd.) auf koinästhetische Ebene der Mutter-Kind-Beziehung. Aus der regressiven (und schöpferischen!) Position löst sich der Analytiker indem er „ordnend und verbalisierend“ zur diakritischen Funktionsweise aufsteigt. Die koinästhetische Ebene wird dabei dem Primärvorgang, die diakritische Ebene dem Sekundärvorgang zugeordnet.
Bei diesem Schritt von der Primär- zur Sekundärorganisation wird (nach Lampl und Lorenzer) die Identifikation jedoch nicht aufgelöst, sondern festgehalten!
D.h.: „Übergang von der »unbewussten Teilhabe« an der nur agierbaren, aber vom Analytiker nicht agierten Szene zu »verstehender Teilnahme an der bewusst gewordenen Situation« und zum Verbalisieren der nun sprachlich fassbaren, dem Analytiker bewusst gewordenen Interaktion“(S.221).
Und: „Nicht zum Patienten gewinnt der Analytiker eine distanzierende Beziehung – Distanz nimmt der Analytiker vielmehr ein zum Beziehungssymbol. Nicht der Patient wird mit Distanz betrachtet, sondern die »Beziehung zum Patienten«(ebd.).
Etwas später formuliert Lorenzer: „Der Prozeß verläuft nicht über eine Abwendung von der Identifizierung und ein Ersetzen der verstehenden Teilnahme durch distanzierendes Beobachten dem Patienten gegenüber, sondern als Ausbildung der Symboldistanz im Rahmen der Symbolbildung. Die Identifizierung wird nicht durch Distanzierung abgelöst, sondern sie wird aufgehoben in die reifere Form der Teilnahme, in das Verstehen“(S.226).
Damit ist Lorenzers Position deutlich gemacht. Und in diesem Modell muss man ihm zunächst zustimmen. Zu Beginn haben wir ein koinästhetisches Zusammenspiel ohne Sprache (die unbewusste Inszenierung). Dann versprachlicht der Analytiker dieses unbewusste Zusammenspiel und fügt der koinästhetischen Ebene damit eine Symbolische Ebene hinzu. Dafür muss das Zusammenspiel nicht verlassen werden. (Im Grunde hat ja auch jede bewusste Interaktion eine koinästhetische Ebene. Nur mit dem Unterschied, dass in diesen Bewusstsein und Erleben nicht auseinanderfallen).
Für Lorenzer ist diese Perspektive wichtig. Zum einen, weil er einen distanzierten Zwischenschritt als erklärenden Schritt ansieht, zum anderen, weil nur in der Identifizierung szenische Evidenz entstehen kann.
Ich habe jedoch Probleme mit Lorenzers Ansicht:
Identifizierung ist ein unbewusster Prozess
Einen bewussten Identifizierungsbegriff kennt die Psychoanalyse meiner Ansicht nach nicht. Identifizierung ist immer auf die koinästhetischen Beziehungsanteile bezogen. D.h., die Teilhabe an der unbewussten Inszenierung geschieht durch eine unbewusste Identifizierung mit den unbewussten Objektanteilen der Szene. Um etwas über diese Identifizierung aussagen zu können (das Verstehen der Gegenübertragung), muss sie zumindest teilweise ins Bewusstsein geholt werden. Dann ist die Identifizierung allerdings nicht mehr unbewusst, und damit keine Identifizierung mehr.
Stellt sich die Frage, ob man sich der Szene bewusst und trotzdem identifiziert mit den unbewussten Objektanteilen sein kann. Das macht allerdings keinen Sinn, weil im Begriff der Identifizierung, durch deren Unbewusstsein, ein Moment von Zwang enthalten ist. (Der Begriff gehört auch in die frühen Phasen der kindlichen Entwicklung, in denen die Identifizierung des Kindes mit der Mutter in den koinästhetischen Einigungen ebenfalls nicht freiwillig ist).
Seltsamer Weise spricht Lorenzer das Problem des Unbewusstseins der Identifizierung kurz an. Indem er feststellt, dass man zuwenig oder zuviel identifiziert sein kann. Beide Seiten weisen m.E. auf das Unbewusst-Sein der Identifizierung hin. Lorenzer beendet dieses Problem mit dem Satz: „…denn die Frage….einer zu schwachen Teilhabe oder eines Hineingezogenwerdens in eine folie à deux berührt gewiss eine andere Seite“(S.217). Welche oder was er überhaupt damit meint, bleibt bemerkenswerter Weise unangesprochen.
(Vielleicht könnte man sagen, dass der Analytiker nachdem er seine Identifizierung verstanden hat, sich weiterhin der Inszenierung des Patienten als Objekt zur Verfügung stellt. Das wäre allerdings freiwillig – und somit keine Identifizierung mehr – und würde dem Abwarten des richtigen Moments für eine Deutung voraus gehen).
Wie sieht die Versprachlichung der Gegenübertragung im Detail aus?
Wie bemerkt der Analytiker, dass er innerhalb einer unbewussten Inszenierung ist? Wie bildet sich auf der Seite des Analytikers ein Wissen darüber, dass in dem Gedanken: „Ich muss nach dieser Stunde mit Patient XY unbedingt zum ALDI. Hoffentlich haben die noch Vollmilch.“ während einer Analysestunde, Wunsch und Angst zum Thema orale Versorgung stecken und nicht nur ein alltäglicher Gedanke zur Einkaufsplanung? Ich denke, weil der Analytiker seine eigenen Gedanken und Phantasien zum Gegenstand seiner inneren Betrachtungen macht. D.h. m.E.: er distanziert sich von seiner eigenen Innerlichkeit. Sonst wäre der Gedanke: „Dieser Gedanke ist die Bebilderung einer in mir aufsteigenden unbewussten Phantasie. Welchen Sinn hat diese Phantasie in meiner (unbewussten) Beziehung zum Patienten?“ nicht möglich.
Insgesamt wir der Vorgang der Versprachlichung bzw. Deutung von Lorenzer nicht ins Detail hinein nachvollzogen. Wie sieht die Umwandlung der ins Bewusstsein aufsteigenden Derivate des Unbewussten des Analytikers in Sprache aus? Wie wird aus dem Gedanken zum Einkaufen eine Deutung des unbewussten Beziehungsgeschehen? Wieso ist „Suchen sie eine Mitfahrgelegenheit zum nächsten ALDI?“ eine sinnlose Deutung oder wahrscheinlich nur eine weitere (sprachliche) Bebilderung eines Teilaspekts der unbewussten Szene?
Interessanter Weise könnte man ja auch lippmanns – gelungene – Deutung der „Direktorinnenbüro-Szene“ hier als Beispiel nehmen. Die Interpretation dieser Szene, mit ihrem anfänglich „Zuviel an Identifizierung“, ihrem Verstehen in Anbetracht des Ganzen der Interpretation, den zeitlichen Pausen, welche die Interpretation dieser Szene vereinnahmt hat und sogar dem Zugang zum Verstehen über einen Dritten (Bingo!) weist m.E. deutlich auf Distanzierung und vielleicht sogar auf Triangulierungsprozesse hin. (Um zu Versprachlichen, muss der Analytiker aus der symbiotischen Einheit im koinästhetischen Beziehungsraum auf eine dritte Ebene – die Sprache – aufsteigen. Seltsam, dass gerade Lorenzer, für den Triangulierung im Grunde Einführung in die Sprache ist, das nicht gesehen hat).
Im Ganzen bin ich also der Ansicht, dass Lorenzer hier einen Fehler gemacht hat. M.E. sogar einen offensichtlichen. Der Satz: „Nicht der Patient wird mit Distanz betrachtet, sondern die »Beziehung zum Patienten«(S.221), erscheint mir fast schon offensichtlich sinnlos. Was ist denn der Patient für den Analytiker außerhalb der Beziehung? Ein mit Wasser gefüllter, behaarter Hautsack? An dieser Stelle könnte man fast das Gefühl bekommen, dass Lorenzer hier einer unbewussten Abwehr auf den Leim geht. So als hätte er Angst, dass durch seine theoretische Analyse der Beziehung zum Patienten, dieser Beziehung die „Geborgenheit“ und „Nähe“ verloren geht. Vielleicht hat er sich zuviel mit der Position des »Vaters« identifiziert und will nun unbedingt zeigen, dass er in Beziehung zu seinen Patienten auch eine »gute Mutter« ist. Das ist natürlich alles nur Verdächtigung und zudem die klassische Art, wie Psychoanalytische mit Theorien umgehen, die ihnen nicht gefallen. Sie verwandeln diese in die neurotische (bei dem Psychoanalytiker Lorenzer natürlich: restneurotische) Abwehr des Theoretikers/rinnen.
Also stellt sich vielmehr die Frage, welchen Stellenwert dieser Denkfehler in Bezug auf Lorenzer theoretischen Entwurf hat.
Vielleicht handelt es sich nur um ein Missverständnis in Bezug auf die Begriffe Verstehen und Distanz. Ist nach der Distanzierung von der Identifizierung wirklich nur noch Erklären möglich? Kann man dass mit der Situation im logischen oder psychologischen Verstehen vergleichen? Wenn der Patient weint und schluchzt, wie kommt man dann auf die Idee er wäre traurig? Oder auf die Idee er könnte ziemlich gut schauspielern? Man fragt sich selbst: „Wann verhalte ich mich so?“ Antwort: „Wenn ich traurig bin?“ „Also ist der Patient traurig?“ „Ich glaube schon, aber vielleicht versucht er uns auch nur reinzulegen und ist ein guter Schauspieler?“ „Vielleicht sollten wir ihn Fragen: »Und das macht sie traurig?«.
Insgesamt erklärt sich das Ich, durch „Hineinversetzen-in-den-Anderen“ (und nicht durch Identifizierung) die Handlungen des Gegenübers. Beim logischen Verstehen ist es gar nicht anders möglich. Insofern sehe ich kein Problem darin, dass Verstehensprozesse erklärende Anteile enthalten.
Desweiteren stellt sich die Frage, was mit „Regression im Dienste des Ichs“ oder mit „Sich-Einlassen“ gemeint ist. Die Übertragung des Patienten ist ja nicht mit einer einzigen Deutung aufgelöst. Vielmehr wird sie Stück für Stück bearbeitet. Deshalb ist die Erfahrung, die in Lorenzers Modell der „durchgehaltenen Identifizierung“ steckt wahrscheinlich eine wichtig für das theoretische Begreifen des analytischen Prozesses. Vielleicht wird ja nur ein Teil der ganzen (Limes gegen Unendlich) unbewussten Identifizierung durch die Deutung bewusst, während andere Teile weiterhin unbewusst wirksam bleiben (quasi die unendliche Analyse). So würde die Unabhängigkeit vom Zwang des Unbewussten Stück für Stück errungen. Logisch (d.h. zeitlich linear/ nacheinander) betrachtet, könnte dass dann so aussehen, als ob zwischen Distanz und Identifizierung hin und her gewechselt wird.
Letztlich berührt die ganze Fragestellung meiner Ansicht nach den Terminus der „Szenischen Evidenz“. Diese Evidenz ist ja quasi die situativen Kontrolle über die Sinnhaftigkeit einer Deutung. Eine Art „Aha-Erlebnis“ bei angemessener Versprachlichung, isn´t it? Für eine Klärung müsste man allerdings tieeeef eindringen in die Höhlen des Lorenzerischen Theoriegebäudes.;)~
Für die psychoanalytische Kulturkritik ist die szenische Evidenz ebenfalls von Bedeutung, weil sich die Frage stellt, ob es sie im Rahmen des Verhältnisses Leser-Text/Film/etc. überhaupt gibt. Bzw. wo die Evidenz in der psa Kulturanalyse herkommt.
Bevor ich ausführlicher antworte, zunächst zwei Fragen:
1. Wieso begrenzt Du den Begriff der Identifizierung auf das Prädödipale? Oder begrenzt Du nur die Identifizierung im psychoanalytischen Setting auf einen präodipalen Modus?
2. Wieso bezeichnest Du „Hineinversetzen-in-den-Anderen“ als einen Schritt des Erklärens? Nach meinem bisherigen Verständnis, ist dies das Vorgehen des Verstehens, nämlich das erfassen von Sinn, während das Erklären versucht äußere Relationen zu erfassen – eben sinnlose Natur.
So sorry, wegen der verzögerten Antwort, aber jetzt versuch ichs mal:
ad 1.) Ich begrenze den Begriff der Identifizierung nicht auf präödipale. Er gehört zwar seinem Auftreten und Wirken nach in die frühen Stadien der kindlichen Entwicklung, wirkt aber selbstverständlich auch auf ödipalem Niveau. (Wobei hier vielleicht zu klären wäre, was ödipales Niveau ist. Vielleicht hast Du ja mal Lust auf eine Einführung.:)
Anbei: vor ein paar Jahren habe ich mir mal Gedanken gemacht zu einer Trennung zwischen Identifizierung und Identifikation. Leider kann ich dazu heute nichts mehr finden und kann den Gedanken heute auch nicht mehr als einen sinnvollen nachvollziehen. (Vielleicht fällt Dir ja was ein?)
ad 2) Es ist schwer darauf eine kurze und zufriedenstellende Antwort zu finden. Vielleicht meldet sich ja mal ein Philosoph aus Hannover oder Kiel und schreibt ein bisschen was zu Verstehen und Erklären. Hier mein erster Versuch:
Allgemein müsste zunächst der Unterschied zwischen beiden “Kommunikationsformen” herausgearbeitet werden. Eine Erklärung ist dabei der Versuch das Verhalten eines Objekts in sinnvollen (logischen) Schritten darzustellen. (Man denke an das berühmte: “Haben Sie eine Erklärung dafür?”) Lorenzer nennt das ganze “nomologisch” und führt es auf die naturwissenschaftliche Weise des Verstehens zurück.
Mit dem “tiefenhermeneutischen” Verstehen bzw. dem Szenischen Verstehen, überwindet der Psychoanalytische die Grenzen nomologischer Wissenschaft, aber nur um danach wieder zu ihnen zurückzukehren. Sinn der Psychoanalyse ist das rationale Verstehen des Irrationalen. Insofern, dass sieht m.E. auch Lorenzer so, ist die Psychoanalyse eine Naturwissenschaft, die die Methoden und Objekte der Naturwissenschaft jedoch überschreitet. (Hier wäre wahrscheinlich ein ellenlanger Exkurs über den Zusammenhang von Kapitalismus, Logik, Naturbeherschung und Unbewussten angebracht, den ich leider gerade nicht finden kann. Kicher, Kicher.)
Also ist das “Hineinversetzen- in-den-Anderen” keine klassische erklärende Methode, weil sie sich nicht auf Logik aufbaut. Durch Freud wird sie jedoch den Methoden der Aufklärung hinzugefügt. (Wobei das ein interessanter Aspekt einer kritisch-historischen Betrachtung der Psychoanalyse wäre.)
Was meinst Du dazu, lippmann?